Hobbyimkern in der Oberträgerbeute

World Extractor - Schleuder für die Oberträgerbeute


Aus reiner Neugierde habe ich mir eine, endlich verfügbare Schleuder auch für Oberträgerbeuten (World Extractor) bestellt.

Die Horizontalschleuder wurde bewusst für das Imkern in der Oberträgerbeute in der Dritten Welt entwickelt und soll Imkern mit Oberträgerbeuten einen besseren Marktzugang gewähren. Für diesen Zweck wurde die Schleuder auch, wie ich meine zu Recht, mit einem Innovationspreis ausgezeichnet. Für meine Verhältnisse ist sie wahrscheinlich absolut überdimensioniert. Die Kritik, dass man mit der Oberträgerbeute nur Presshonig herstellen kann, wird jedoch handfest widerlegt. Eine Honigschleuder ist ein Bindeglied zur Bienenhaltung zur Honiggewinnung oder für Bienenhalter, die Presshonig ablehnen.

Abbildung einer flachen Honigschleuger ca. 90 cm Durchmesser mit Kurbelantrieb.

Kaum eine Branche kennt wahrscheinlich so viele Erfinder wie die Bienenhaltung und wie beim Walzer geht man beim Imkern immer ein paar Schritte vor, um auch wieder einen Schritt weniger zurück zu gehen, da fast jede Weiterentwicklung auch Verkomplizierung bedeutet. die es wieder zu vereinfachen gilt. So kommt es, dass es fast alles schon mal gab. Dies gilt auch für die Horizontalschleuder.


Aus dem Austellungskatalog "Lebendiges Bienenmuseum Knüllwald: Technik der Honiggewinnung; 18. Mai 2003 Technik der Honiggewinnung" habe ich diese Abbildung von Müßigbrodt aus der Deutschen Illustrierten Bienenzeitung (Braunschweig) (Heft 5 (10) 1887/88) die eine von Bühne-Laubanentwickelte Zweiwaben-Schleuder abbildet. Aufbau, Antrieb und sogar die Riemenübersetzung entsptrechen der Horizontalschleuder von Swienty.

Alter Stich mit Horizontalschleuder aus Holz

 


Positiv sollte noch erwähnt werden, dass die Schleuder sich auch für Waben mit Rähmchen geeignet und für eine Vierwabenschleuder kompakt und preiswert ist.

Leider hatte die Schleuder etwas unter dem Transport gelitten und eine Bedienungsanleitung fehlt.

Auch wenn die Ausführung robust erscheint und aus Edelstahl ist, hat das gute Stück ein Loch! Das Loch kann ich leicht mit etwas Wachs (honigecht) abdichten.

Wachsstopfen in Beutenkehle

Zum Schleuder bietet sich derzeit nur unsere offene Küche an. Links ist das Entdecklungsgeschirr zu sehen. Rechts befindet sich die Schleuder und davor steht ein Eimer mit einem Doppelsieb (ich besitze noch ein zweiter Doppelsieb zum Austausch, was das Arbeiten stark vereinfachen kann) auf einem höhenverstellbaren Kinderstuhl.


schleuderaufbau in der Küche

Viele Sorgen hatte ich mir darüber gemacht, wie man die rähmchenlosen Waben entdeckeln und ganz in die Schleuder einlegen soll. Um der Wabe genügend Halt zu geben, habe ich als Auflage eine stabile Lochblechplatte gewählt, die zwei Auflagen für die Oberträger besitzt. Die Wabe sind viel stabiler als ich dachte und lassen sich auf dieser Unterlage sehr leicht entdeckeln und auch besser als erwartet in die Schleuder einlegen. Dazu ist es nur wichtig die Wabe von innen an den Außenrand heranzuführen, damit die Wabenfläche nicht gequetscht wird. Um die Wabe gut bearbeiten zu können, habe ich ein einfaches Entdecklungsgeschirr gebastelt. Das Entdecklungsblech wird in zwei Kerben in den Auflageleisten fixiert. (Eine ähnliche Konstruktion hatte ich auch bereits für das Imkern mit Rähmchen benutzt, wobei dort auf das Blech verzichtet werden kann, da das Rähmchen ein "Außensklett" bildet.)

Endecklungsgeschirr

 

Die Auflagepunkte für die Oberträgerohren bestehen aus Schrauben, die einfach mit einer Mutter gesichert sind. Durch die Löcher im Blech ist die Montage sehr einfach.

2 Tragschrauben

Auf meine Nachfrage an den Hersteller erfuhr ich dort, etwas amüsiert, dass der Hersteller die Schleuder selbst noch nie mit rähmchenlosen Waben ausprobiert hatte. Deshalb konnte ich von dort auch keine Informationen über das Entdeckeln von rähmchenlosen Waben erhalten. Das empfohlene Entdecklungsmesser nach meiner Meinung ist mit Sicherheit gänzlich ungeeignet, da der breite Oberträger im Gegensatz zum Rähmchen keinen Anschlag bietet und die Wabe etwas ungleichmäßiger ist, als es auf Mittelwänden ausgebaute Waben sind. Naheliegend war es für mich folglich einen Versuch mit einer Entdecklungsgabel zu machen (und genau die hatte ich beim ersten Schleudern verlegt) aber das Wort Entdecklungs-g-a-b-e-l hat mir bereits geholfen, denn mit einer normalen Gabel ließen sich die Waben sehr gut entdeckeln und für breitere Flächen wär auch eine klassischen Entdecklungsgabel mit Sicherheit gut geeignet.

Entdeckeln mit der Küchengabel

 Selbstverständlich kann man auch eine ganz gewöhnliche Entdecklungsgabel verwenden, die etwas weniger der Zellwände zerstört, aber mit Vorsicht zu gebrauchen ist, da sie unglaublich viele spitze Nadeln besitzt.

Endecklungsgabel

Einblick in eine bestückte Oberträgerschleuder mit vier Honigwaben. Der Antrieb hat eine Übersetzung und läuft über einen stabilen Keilriemen. Der gesamte Antrieb ist geschützt angebracht. Die großen Plexiglasabdeckungen lassen sich nach oben klappen und zum Reinigen aushängen.

WESchleuder mit Waben

Welche Freude. Eine ausgeschleuderte rähmchenlosen Wabe. Nach Herstellerangaben müsste die Wabe nicht gewendet werden. Dieses erhöht aber die Arbeitsgeschwindigkeit und ermöglicht ein sauberes Ausschleudern.

Aller Anfang ist schwer. Wahrscheinlich durch den großen Durchmesser reichen vergleichsweise geringe Drehgeschwindigkeiten aus. Wenn sich die Schleuder dreht, hebt sich, die vorne und unten anstoßende Wabe, von innen (unterer Rand der Wabe) hoch. Dies führt zu Schmierstreifen an der Schleuderabdeckung. 

Skizze zum Anheben der  Waben in der Schleuder

Bei unangemessenen Geschwindigkeiten gibt es wie bei anderen Schleudern auch Bruch. Beschädigte Wabe lassen sich nicht mit einem Einmachgummi ums Rähmchen stabilisieren und meine Versuche mit einer Entdecklungswachsschleudertasche waren leider auch erfolglos. Bei vielen Waben wird man wahrscheinlich zusätzlich Waben und Entdecklungswachs pressen, sich was einfallen lassen, müssen.

Am schwierigsten bleibt der Weg in die Schleuder. Um dem entgegen zu wirken habe ich die Waben mit einem flachen Blech (wie ein Tortenblech) eingelegt. Da die ausgeschleuderten Waben jedoch schlecht in die TBH-Betriebsweis passen, habe ich micht entschlossen mich von der Oberträgerschleuder als besonderes Experiment zu trennen. Soweit ich weiß wird sie zumindest in Deutschland auch nicht mehr angeboten.

Einen geplanten Versuch die Waben auf einem Kuchengitter als Unterlage einzulegen, habe auch nicht mehr umgesetzt. Das Pressen ist einfach schneller und mit deutlich weniger Reinigungsarbeiten verbunden.

 

Spätzlepresse mit Wachsbruchstücken
 

Durch die sehr flache Bauweise, besitzt die Schleuder eine in Relation zu den anderen Dreiwabenschleudern enorme Bodenoberfläche. Dadurch verteilt sich viel Honig auf dem Boden bevor er zum Quetschhahn ausfließt. Dies macht allerdings die Entleerung und die Reinigung etwas aufwendiger. Insbesondere weil die kurzen Standbeine nicht so angeordnet sind, dass man die Schleuder hinten anheben kann und entgegengesetzt fließt Honig oder Reinigungswasser zum Quetschhahn hinaus. Hier könnte eine kleine Verbesserung das Imkerleben noch versüßen.


skizze zur Kipplinie von oben



Eine saubere Sache...

Einblick in eine bebrütete Zelle

Wenn die Biene sich von der Made zum fertigen Insekt verwandeln, bereitet sie die Zelle für die nächste Larve vor. Der Darm der noch als geschlossener Sack war, bildet sich vollkommen aus und die Made scheidet einmalig den gesamten Kot aus, der sich in Ihrem Darm während der gesamten Larvenzeit angesammelt hat. Die Larve häutet sich und kleidet die Zelle komplett mit ihrer abgestoßenen Madenhaut [MH] aus. Der abgesetzte Kot [LK] wird vollständig eingeschlossen. Die Zelle durch die Schichtung der Häute [I.,II.,III.;...] enger und kürzer. In diese frisch tapezierte Kammer kommt Pollen, Honig oder ein neues Ei. Nur unbebrütete Waben zur Honiggewinnung heranzuziehen halte ich daher für übertrieben. Das Bienenvolk wächst natürlich von oben nach unten und von innen nach außen, so dass die meisten Zellen bereits bebrütet waren, bevor Honig eingelagert wird. Die ausschließliche Verwendung von unbebrüteten Honigwaben war lange nur in anglikanischen Ländern üblich, in denen ein extrem heller, klarer Honig angestrebt wurde und etwas stabilere Halbzargen für díe Honigräume verwendet werden. In Beuten mit fixen Bruträumen, wie es bei Blätterstöcken, Auszugsbeuten oder auch bei Lagerbeuten gegeben ist, werden zur Senkung des Schwarmtriebes immer wieder gedeckelte Brutwaben aus dem Brutraum in den Honigraum umgehängt. Durch dieses Umhängen, ist es dann wenig sinnvoll auf den Honig aus diesen bebrüteten Waben zu verzichten. Auch ist auf diese Weise eine kontinuierliche Wabenerneuerung besonders leicht möglich. Zusätzlich haben bebrütete Waben eine deutlich erhöhte Stabilität.  Gerade im Naturwabenbereich ist die erhöhte Stabilität ein großer Vorteil, wenn man keinen Wabenhonig gewinnen möchte.
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