Hobbyimkern in der Oberträgerbeute

Honiggewinnung

(...und bist Du nicht willig, so brauch ich Gewalt...)

Die schwersten Bedenken hatte ich nicht gegenüber der Beute an sich, sondern wegen der archaisch wirkenden Honiggewinnung.

Die einfachste Möglichkeit Honig aus der Wabe zu gewinnen, wäre Tropfhonig (Honigwaben entdeckeln und in einem warmen, idealerweise bei 29° C, Raum auslaufen lassen) oder mit der Hand auszuquetschen (was man auch über Jahrtausende getan hat).

Die Extraktion über Schwerkraft wird an verschiedenen Stellen im Internet.beschrieben. Sie ist jedoch von ausreichendem Platz und Zeit abhängig. Zudem müssen die Räume (wenn es nicht um eine geschlossene Apparatur handelt) sehr warm sein, was dazu führen kann, dass man im Sommer auch noch heizen muss (29 Grad Celsius), wenn man sicherstellen will, dass der Honig kein Wasser aus der Umgebungsluft aufnimmt, da er hygroskopisch wirkt.

 

Auch wenn es hier mit der Entwicklung des World-Extraktors einen technischen Ansatz für Fortschritt gibt, suchte ich nach einer Lösung die in der Investition und im Stauraumbedarf meinen Anforderungen an eine Hobby-Bienenhaltung entspricht.

Die derzeitige Lösung fand ich in einem großen Internet-Auktionshaus in Form einer gebrauchten Thüringischen Kartoffelpresse. (Diese gibt es selbstverständlich auch neu und dann ganz aus Edelstahl)

Diese ist aber grundsätzlich:

  • stabil
  • platzsparend
  • leicht zu reinigen

Die Waben können auch zuvor zerschnitten und mit einem Auf-und-Ab-Rührstab aus dem Imkereibedarf zu einem Brei vermußt werden, um die Befüllung der Presse zu vereinfachen.

 


Um den Auffangeimer mit dem Doppelsieb stabil aufzustellen und in der Höhe genau anpassen zu können, nutze ich einen höhenverstellbaren Kinderstuhl.

 

Nach dem Klären wird der Honig gerührt und in Gläser abgefüllt. Für die private Verarbeitung kann man sich das Abschäumen mit einer Haushaltsfolie sehr vereinfachen. Die Folie wird deckend auf die Oberfläche gelegt und langsam abgezogen. Der Schaum (auch Imkerglück genannt) bleibt nahezu vollständig an der Folie haften.

Der Honig macht auch gepresst einen vorzüglichen Eindruck und ist (vielleicht durch den Pollen und den geringeren Luftkontakt) sehr aromatisch. Allerdings ist beim Ernten besonders auf eine ausreichende Reife zu achten, da der Honig tendenziell mehr Wasser enthält als geschleuderter. (Hierzu verwende ich ein Handrefraktometer.)

Die Presse eignete sich theoretisch selbstverständlich auch als Wachspresse. Was ich aber noch nie ausprobiert habe.

Wer nicht verkauft, kommt auch mit einfachen Hilfsmitteln aus. Um sauber zu arbeiten, benötigt man jedoch ein Gefäß mit Quetschhahn. Zur Kurzzeitlagerung verwende ich nur 12,5 kg-Eimer die sind noch leicht zu handhaben und falls irgendetwas dazwischen kommt (besser ist selbstverständlich direkt abzufüllen), könnte man den Honig relativ schonend in einem Elektroeinkochautomaten verflüssigen.


Legale Erpressung

Bevor ich auf das Pressen verzichten würde, würde ich diese zurückgestellte Idee für eine selbstgebaute Honigpresse probieren. Zur Kraftumsetzung dienen Ratschengurte. Der Presssack wird zwischen zwei Seitenteilen aus Schneidebrettern ausgepresst. Die Seitenteile könnte man an den Kanten abrunden und aus einem weiteren Brett Stoppleisten sägen, die ein Verrutschen der Ratschengurte verhindern. Damit die Gurte nicht im Honig hängen, könnte ein seitlicher Beutel helfen.


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