Hobbyimkern in der Oberträgerbeute

Besiedlung den TBH

Beim Zukauf von Bienen:

Die ideale Form Bienenkästen zu besiedeln ist der Schwarm. Er hat alle Vorteile, die man sich vorstellen kann. Schwärme sind die natürliche Wanderform des Biens. Ein Schwarm ist viel mehr als die Versammlung von Induvidien um ein Alpha-Tier. Ein Schwarm ist ein zusammenhängender  Superorganismus. Schwärme sind nicht an Kastenformen gebunden, können ihre Temperatur durch ausdehnen und zusammenziehen regulieren. Ein freier Schwarm ist in der Lage eine geeignete Wohnung suchen, sich zwischen verschiedenen Alternativen zu unterscheiden und schnell über weite Entfernungen zu wandern. Bienenschwärme können unterschiedlichste Räume besiedeln. Wie flexibel sie dabei sind, ist auch an den vielen erfolgreichen Bienenstockarten von Röhrenbeuten, Alemannischen Rümpfen bis zum Magazin erkennbar. In einem Naturschwarm gibt es ein gutes Gemisch aus älteren und jungen Bienen. Heute steht beim Handel der Kunstschwarm im Vordergrund. Kunstschwärme werden erst später im Jahr angeboten, aber sie sind unabhängig vom Rähmchenmaß, gut zu transportieren und bauen die neuen Waben wunderbar regelmäßig mit relativ wenig Drohnenzellen. Beim Schwarm werden die Brutkrankheitserreger reduziert. Im Gegensatz zu Brutablegern ist sogar ein Versand theoretisch möglich. Durch Wiegen ist eine Bewertung gut möglich. Aus Imkervereinen ist es teilweise schwierig Schwärme zu kaufen. Mit Brutablegern verkauft man auch ein Rähmchenmaß, alte Waben und ein wertvolleres Volk, was sich teurer verkaufen lässt.


Einblick auf helle neue Wabe

 

Erweiterung und Verjüngung:

Im Gegensatz zur Erwerbsimkerei ist es nicht das Ziel möglichst starke und leistungsfähige Völker zu führen, sondern die Völker einfach führen zu können und für eine ausreichende Verjüngung bzw. Ersatz zu sorgen. In Afrika wird dies in der Bewirtschaftung der Oberträgerbeute dadurch erreicht, dass es keine Schwarmverhinderung gibt und den Bienen leere Beuten zum Besiedeln angeboten werden. Da die Bienen schwärmen, sobald die Beute zu klein wird, stellt sich dort die häufige Frage gar nicht, ob die Oberträgerbeute nicht zu klein ist. Idealerweise würde man auch bei uns auf eine Schwarmverhinderung verzichten, wenn es gelingt hoch effiziente Schwarmfallen zu bauen, die kaum einen Schwarm entkommen lassen. (In Zeiten von Varroa und amerikanischer Faulbrut, sind Völker, die auf sich gestellt sind, leider auch schnell ein Infektionsrisiko für die benachbarten Völker.) Das Klippen (Beschneiden eines Vorderflügels der Bienenkönigin) ist keine Lösung. Bin ich nicht zur Stelle gibt es nach dem Schlüpfen der jungen Königin nur noch mehr Schwärme, die weiter fliegen und schlecht zu fangen sind. Ist man immer in der Nähe kann man in der Nähe der Völker einen Schwarmlocker (Brett mit Rinde) anbieten und die fallenden Schwärme fangen. Bei weiter entfernten Bienenständen oder Abwesenheit über Tag kann ein Schwarmlockkasten helfen, dieser kann aber selbst mit Pheromon nicht sicher fangen, da der die Bienen ein neues Zuhause abseits des alten Bienenvolkes suchen.

In der Hobbyimkerei unter unseren Bedingungen wird man dies durch eine Vorwegnahme des Schwarms lösen. Die Brutwaben werden mit den ansitzenden Bienen entnommen, und in einer Beute am Stand untergebracht. Das Flugloch wird stark verengt. Die Königinnenzellen am besten bis auf eine zerstört, um Nachschwärme zu verhindern. Die Königin (oder wenn man diese nicht findet eine Wabe oder ein Wabenstück (Kristallisationspunkt) mit jüngster Brut (ohne Schwarmzelle) bleiben in der ursprünglichen Beute, die an Ihrem alten Platz bleibt. Die Flugbienen kehren alle wieder in den ursprünglichen Kasten zurück. Der neu gebildete Brutableger behält die jungen Bienen, beide Völker besitzen eine Königin oder Brut und sind so geschwächt, dass der Schwarmtrieb meistens erlischt. Nach diesem Vorgehen hat mein zwei Völker und damit auch das Risiko geteilt. Es ist kein zweiter Bienenstandort notwendig, was, wenn man nur ein oder zwei Völker hat, einen erheblichen Aufwand bedeuten kann und wenn etwas in einem einem Volk nicht klappt oder man schnell wieder trachfähige Völker haben will, kann man den Brutableger als einen Zwischenableger wieder nach einer Woche auflösen und die Bienen vor das Flugloch des zu verstärkenden Volkes fegen. Im Gegensatz zu anderen Methoden arbeitet man hier mit und nicht gegen den Willen der Bienen. Wenn nach der Bildung des Ablegers eine Woche kein Flugwetter herrscht, müssen im Ableger überzählige Weiselzellen ausgebrochen werden, um eine Schwarmabgabe vom Ableger zu verhindern. In der Standimkerei ist es ohne Hilfe schwierig die Beuten allein umzustellen bzw. unzuhängen. Hier können die Brutwaben auch entnommen und in eine andere Beute umgehängt werden.

Andere Methoden einen Schwarm vorweg zu nehmen, die nicht so radikal sind, wurden nach Sklenar und Taranov benannt. Beide Methoden haben den Vorteil das man keinen zweiten Standort und keinen Feglingskasten benötigt.

Beim Freiluftschwarm nach Sklenar werden die Bienen, aus beliebig vielen Völkern auf ein Unterlage (Tisch, Pappe) über einen Käfig mit einer begatteten Königin mit einem Haltepunkt (Rähmchen, Brett...) gefegt, der an einem Seil etappenweise nach oben gezogen wird. Die Bienen bilden allmählich eine Schwarmtraube und werden am nächsten morgen eingeschlagen und gefüttert. Wenn notwendig, kann man eine Federwaage einfügen, um das Gweicht (1,5-2 kg Bienen) nicht schätzen zu müssen.

Bei der Kunstschwarmbildung nach Taranov wird ein Brettchen (ähnlich einer Sprungchance) ca. 20 cm vor dem Flugloch aufgestellt, so dass es zum Flugloch leicht ansteigt und ausreichenden Abstand zum Boden hat. Die Bienen werden von den Waben auf das Brettchen gefegt und bilden am oberen Ende eine Schwarmtraube, die wie ein normaler Schwarm eingeschlagen und sofort gefüttert wird.

(Wenn man keine zweite Beute hat, oder das Volk nicht geteilt werden soll, bleibt noch die 2x9-Methode nach Golz. Dabei wird die alte Königin entnommen (und wenn Sie noch wertvoll ist, zum Beispiel an einem anderen Standort in einem Ableger aufbewahrt). Danach werden zweimal im Abstand von ca. 9 Tagen alle Weiselzellen ausgebrochen (zerstört). Erst nach dieser Zeit wird die alte Königin oder Zuchtstoff als jüngste Brut oder künstliche, belarvte Weiselnäpfe zugegeben. Diese Methode ist jedoch für einen Hobbyimker mit einem höheren Risiko behaftet, da alle Weiselzellen auch gefunden werden müssen.)

Die Königin ist tot. Es lebe die Königin.

Wenn man weniger als fünf Bienenvölker hält, ist eine echte Zucht nicht möglich, da Zucht immer an eine Auslese gebunden ist, die Wahlmöglichkeit voraussetzt. Ein Bien ist dabei theoretisch unsterblich. Durch den Wechsel zwischen Nachschaffung und Abgang und Schlupf von Arbeiterinnen verjüngd sich der Bien und entwickelt sich genetisch durch Schwarm und Nachschaffung mit Paarung weiter. Ein Volk droht erst der der Tod, wenn er ohne junge Brut und ohne Königin ist.

Unter diesen Bedingungen halte ich eine regelmäßige Königinnenerneuerung durch zugekaufte Könginnen durchaus für eine gute Variante. (Auch wenn dies zum Beispiel in der zertifizierten Bio-Imkerei untersagt ist.)

- Die Schwarmneigung bei jungen Königinnen ist deutlich geringer.

- Die Gefahr, dass die Bienen wegen dem Alter zu Unzeiten ihre Königin verlieren oder diese drohnenbrütig wird, ist geringer.

- Für die Standbegattung in der Umgebung stehen höherwertige Drohnen zur Verfügung. 

- Sollte die Bienen eine Königin nachziehen, ist diese näher an einer Zuchtstufe, was gerade in Bezug auf die Sanftmut der Folgegeneration positiv ist.



Bitte recht freundlich...

Bei der Bearbeitung eines Bienenvolkes gelten die gleichen Grundregeln, wie bei anderen Lagerbeuten. Man sollte ruhig und konzentriert vorgehen. Aber im Gegensatz zu Rähmchen ist es wichtig die Oberfläche geschlossen zu halten. Und während man zwischen entnommenen Rähmchen eher etwas mehr Platz lässt, damit die Bienen sich nicht in den Wabengassen verknäulen, die dann auseinander gerissen werden, wenn man die Waben wieder bewegt, oder Bienen und Waben gequetscht werden, ist es bei der Oberträger genau andersherum, die geschlossene Oberfläche, die auch den exakten Wabenabstand garantiert, wird möglicht beibehalten. Die Waben bleiben so am besten beweglich und zwischen und auf den Oberträgern postieren sich keine verteidigungsbereiten Bienen, die eine neue Öffnung zu ihrem Nest entdeckt haben. Beim Zusammenschieben der Waben geraten so auch selten Bienen zwischen die Oberträger. Wenn man mit etwas Rauch arbeitet und die Waben erst mal fast zusammen schiebt und dann nochmals wieder kurz etwas auseinander nimmt, bevor man die Oberträger wieder an einander drückt, haben eigentlich alle Bienen kapiert, dass sie sich nach unten begeben sollen. Die geschlossene Oberfläche sorgt für sehr ruhige Bienen. (Beim Imkern mit afrikanisierten Bienen wird in Mittel- und Südamerika auch eine flexible Drahtgebewebeabdeckung mit seitlichen Stäben, ähnlich einer Papyrosrolle (Flex genannt) über die nach oben offnen Wabengassen gelegt.) 

 

Soll eine vollständige Wabenkontrolle durchgeführt werden, bietet es sich an, erst mal Freiraum zu schaffen. Dazu werden 5 oder 6 Waben oder leere Oberträger von einer Seite in einen Wabenbock umgehängt [a] (Bodenkontakt sollte aus hygienischen Gründen vermieden werden). Anschließend werden alle restlichen Waben, in Richtung des entstandenen Freiraums verschoben oder umgesetzt [b]. Jetzt können die Waben einzeln wieder zurück an ihren ursprünglichen Ort gehängt und dabei kontrolliert werden. Nach der Kontrolle brauchen die Waben meist nicht mehr angefasst werden, die Bienen haben in diesen Waben wieder schnell ihre Ruhe. Zwischen den bearbeiteten und unbearbeiteten Waben entsteht ein breiter Arbeitsraum, so dass Waben bequem entnommen und bewegt werden können, ohne Bienen zu drücken oder abzustreifen (Bienen lieben es gar nicht über die Waben gerollt zu werden.) [c]. Der große Abstand sorgt auch dafür, dass die Königin nicht unbemerkt von den unbearbeiteten Waben auf die bereits kontrollierten Waben wechselt.

 Schemaskizze Vorgehen bei der Volkskontrolle

Sollte es beim Bearbeiten klar werden, dass anschließend zum Beispiel eine Wabe als Weiselprobe eingehängt werden soll, wird hierfür ein Platzhalter durch einen umgedrehten oder markierten Oberträger eingefügt. Solch ein Platzhalter durch einen umgedrehten Oberträger ist in der folgenden Abbildung zu sehen.

Die Oberträger können auf der Oberseite gut beschriftet werden. Auf der Abbildung tragen die Oberträger Angaben über den Wintervorrat zur ersten Kontrolle im Frühjahr und eine Linie mit Zahlen die Lage und Reihung in der Beute angeben, um die Nestordnung möglichst wenig zu stören.

Aufblick auch die Oberträger mit Beschriftungen


Eine Königinnenzucht wird unter normalen Bedingungen in Deutschland nicht in einer Oberträgerbeute durchgeführt werden, da eine Leistungsprüfung auch unter Leistungsbedingungen durchgeführt werden sollte und die Oberträger hier kaum vom Imkern eingesetzt wird, die ihre Wirtschaftsweise auf optimale Leistung ausgerichtet haben.


Allerdings ist es sehr gut möglich eine Vermehrung in der Oberträgerbeute durchzuführen.

Bei kann die Beute als Zuchttrog oder als Finisher betrieben werden. Hierdurch sind große Serien von Königinnen möglich. Da nur auf einer Höhe gerarbeitet wird und keine Honigzargen abgehoben werden müssen, ist das Arbeiten rückenschonend und bequem.

Als Zuchtleiste kann ein normaler Oberträger oder ein spezieller Weiselträger verwendet werden, dieser kann noch mit einer Futtertasche oder einer sogenannten Hürde zur Aufnahme von Weiselkäfigen versehen werden.

Ehrlicherweise muss man aber eingestehen, dass die schrägen Seitenwände den Raum für Weiselkäfige und ähnliche eckigen Teile einschränken oder den Bauaufwand erhöhen.

Als Trogbeute wird die Oberträgerbeute auf einer Ebene von oben bedient. Belastens Heben und Bücken entfallen weitgehend. Wer möchte kann sich einen Wabenbock etc. ebenfalls hochstellen, um Heben und Bücken weiter zu vermeiden. Allerdings bedingt die lang gestreckte Bauweise, was durch beim seitlichen aufhängen an Pfählen noch verstärkt wird, dass man nicht, wie bei freistehenden Magazinen, die Waben kurz vor dem Körper gleichmäßig mit beiden Händen seitlich greifen und anheben kann. Man muss mit einem Arm immer über die Beute greifen, was zu einer Verdrehung oder einseitigen Belastung führt, die nicht besonders ergonomisch ist.


Exkurs:

Abstoßen, abfegen oder abschlagen beziehungsweise abstoßen sind alles Wege einen Gegenstand oder eine besetzte Wabe von ansitzenden Bienen zu befreien. Will man nur einen kleinen Teil einer Wabe bienenfrei bekomme, zum Beispiel um in die Brutzellen hineinschauen zu können reicht normalerweise ein leichter Rauchstoß oder das Tupfen mit der Hand auf die aufsitzenden Bienen.

Beim Abschlagen wird die Waben mit einer Hand am Oberträger über die Beute oder Unterlage gehalten, auf die die Bienen abgeschlagen werden sollen. Auf diese Hand schlägt man kurz und kräftig mit dem Handballen der zweiten Hand. Wie Anspielen einer zweiten Kugel beim Billard wird die schlagartige Abwärtsbewegung an die Bienen weitergegeben, die Abfallen. Abschlagen ist die schnelle Methoden Bienen von der Wabe zu bekommen, wenn man zum Beispiel Bienen für einen Ableger braucht, oder Waben ohne Bienen umhängen will.

Beim Abschütteln wird die Wabe ca. 7-10 cm aus dem Bienenkasten herausgehoben oder über eine Unterlage gehalten, dann wird die Wabe in schneller Reihenfolge etwa fünfmal stoßartige ca. 5 cm auf und ab geschüttelt. Die Wabe sollte die Unterlage oder Beute nicht berühren. Diese Methode eignet sich besonders, wenn einzelne Waben ohne Bienen aus einer Beute entnommen werden sollen.

Die dritte Methode ist das Abfegen der Bienen. Hierzu.wird heutzutage fast auschließlich ein spezieller Bienenbesen verwendet. Vor der Verwendung wird der Besen angefeuchtet. Die Borsten werden mit Wasser besprüht, dann kurz mit der Hand durchgewalkt und das meiste Wasser wieder abgeschlagen. (Gerade bei der Honigernte sollte der Besen weich aber nicht nass sein, um kein Wasser in den Honig einzubringen.) Mit dem Besen werden die Bienen mit vielen kurzen, schnell aufeinaderfolgenden Schwüngen von der Wabe gekehrt, damit die Bienen nicht mit dem Besen über die Wabe gerollt werden. Das Abfegen schließt sich häufig an das Abstoßen- oder Schütteln an, wenn man gar keine Bienen mehr auf den Waben belassen möchte. Auch honigschwere Waben oder Waben mit wertvollen Weiselzellen (Königinnenzellen) werden gerade bei rähmchenlosen Waben abgefegt, um die Wabenbeschädigungen zu vermeiden und auch die gedeckelte Brut phasenweise sehr erschütterungempfindlich ist.

Soll ein Deckbrett ö.ä. von Bienen befreit werden, können die Bienen auch abgestossen werden. Hierzu wird der Gegenstand möglichst mit beiden Händen kurz auf die Oberfläche aufgestossen, auf welche die Bienen fallen sollen.

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