Hobbyimkern in der Oberträgerbeute

Wo der Spass aufhört

Eine gute Diagnose ist die halbe Behandlung. Bei der Erkennung und Behandlung von Krankheiten kommen die Vorteile des Mobilbaus mit einzel entnehmbaren Waben richtig hervor. Es macht eben eine Menge aus, ob ich im Zweifelsfall schnell und einfach alle Brutawaben inspizieren kann. Derzeit (2012) wird die Diagnose mit Puderzucker empfohlen (http://www.llh-hessen.de/downloads/bieneninstitut/110801_Bienenprobe_mit_Puderzucker.pdf), da sie unabhängig von der Volksstärke und der Bauart des Bienenkastens ist. Hierzu ist es notwendig Bienen von Waben zu gewinnen, was problemlos mit beweglichen Waben der Oberträgerbeute möglich ist. Im Gegensatz zur Diagnose mittels Bodenwindel ist jedoch ein Eingriff im Bienenvolk erforderlich, so dass wohl beide Verfahren in Zukunft ihre Rolle in einem integrierten Bekämpfungsmanagement haben werden.


Die Geißel der Imkerei

Bei der Varroabekämpfung setzte ich grundsätzlich auf Ameisensäure. Der Verdunster wurde in einen einfachen aber stabilen Rahmen eingesetzt. Hier ist der Nassenheider Verdampfer, in einem einfachem Wabenbock aus einer Klappkiste und einem Holzrahmen eingehängt, zu sehen. Ein Wabenbock oder ähnliches ist bei der Arbeit mit Naturwabenbau wichtig, da die Waben empfindlich gegen Seitendruck sind und Erdkontakt der Waben wegen der Gefahr von Botulismus-Keimen vermieden werden sollte.


Hier hängt der Nassenheider Verdunster im Volk. Die Ameisensäure ist bereits weitgehendstens verdunstet. Der obere Dochtrand zeigt eine dunkle Verfärbung.

Auf der Windel (Bodenbrett) sind die zahlreichen abgetöteten Milben als dunkle Pünktchen nach der Sommerbehandlung zu sehen.

 

Mindestens im Spätsommer und im November sollten Sie den natürlichen Varroa-Totenfall mit einer Windelkontrolle abschätzen.

Milchsäurebehandlung

Bei einem natürlichen Milbenfall von mehr als 1 Milbe je Tag im November ist eine Winterbehandlung mit Milchsäure notwendig. Die Behandlung muss in der brutfreien Winterzeit bei Außentemperaturen zwischen 5-8° C geschehen. Leider sind diese Tage am Anfang des Jahres selten. Um wenigstens nicht auf den Regen Rücksicht nehmen zu müssen, habe ich mir mit einem großen Regenschirm etwas Schutz geschaffen.

Aufsprühen der Milchsäure auf die Waben mit Schutzhandschuhen

Die Milchsäure wird 15% mit einem einfachen Handzerstäuber aufgebracht. In der Nähe steht noch ein großer Druckzerstäuber, um die Säure von Handschuhen oder Nichtzielflächen mit Wasser abzuspülen. Im Garten kann man bei allen Arbeiten mit Säuren auch den Gartenschlauch mit einem Brausekopf bereitlegen (Hahn aufdrehen!) Zur Mischung benutze ich eine 100 ml Spritze. (Erst das Wasser, dann die Säure, sonst geschieht das Ungeheure.) Die Bienen sollen nach dem Einsprühen grau (nicht schwarz) erscheinen.


Die Vorteile in der Milchsäurebehandlung liegen in der guten Wirksamkeit und der relativen Ungefährlichkeit und der leichten Beschaffung (auch in relativ geringen Mengen). Die Nachteile sind der hohe Arbeitsaufwand und die Wetterabhängigkeit. Was den Einsatz bei der Bewirtschaftung vieler Völker sehr erschwert.


Nehmen Sie bei allen Varroa-Bekämpfungsaktionen mit organischen Säuren einen Trinkwasserkanister und Wechselkleidung mit.

 

 


O(xa)la(la) ... Oh la la...

Die Behandlung mit Oxalsäure ist auch in der Oberträgerbeute einfach möglich. Die Verwendung schmaleren Oberträgern mit Abstandsleisten (Spacer) wird seit einigen Jahren als eine Variante praktiziert. Allerdings kann ich den Vorteil nicht erkennen, da die Bearbeitung eher verlangsamt wird. Es werden beim Zusammenschieben von Oberträgern vielleicht mehr Bienen zerquetscht, aber dem einlegen der Zwischenleisten können Bienen, die aus der Wabengasse quellen, leicht zerrissen werden.

Diese Aufnahme über eine Oxalsäurebehandlung im Winter hat mit Dr. Friedrich Pohl freundlicherweise zur Verfügung gestellt.

Einbringen von Oxalsäure mit Schlauch und Dosierspritze

Wie an den Schraubenköpfen erkennbar wird, sind die Oberträger nicht mit Wachstreifen sondern mit untergeschraubten Dreiecksleisten ausgeführt.


Ohne Spacer müssen die Wabengasen mit dem Stockmeisel für etwa einen Zentimeter auseinandergehebelt werden, um die Oxalsäure in Wabengasse träufeln zu können, was problemlos möglich ist.

Am Ende des Schlauches ist ein Verschlussstopfen angebracht, in den mit einer Nadel ein kleines Loch gebohrt wurde, um einen feinen Strahl zu erzeugen.

Einbringen von Zuckerlösung, die als Trägerlösung für Oxalsäure verwendet wird.

Schlipperdidix...

Die Berechnung zum Verdünnen von Konzentraten geschieht am einfachsten mit Hilfe eines Mischungskreuzes, das ich hier als Exceltabelle zur Verfügung stelle.(Echte Praxis keiner weiß wie, aber es funktioniert.)


Auch das noch...

Im Herbst 2007 hungerten die Bienen, da das Jahr so früh begann und die Blüte nicht lange anhalten konnte. Nach einem warmen (für die Bienen dadurch unruhigen Winter, in dem sie keine echte Winterruhe fanden) kam das absehbare Folgepech in Form einer Brutkrankheit der Sackbrut zu meinen Bienen. Zum ersten Mal habe ich ein Volk über den Winter verloren und genauso verloren war das Frühjahr. Durch die Brutkrankheit kamen die Völker nicht richtig ins Wachsen und die Haupttracht war nur eine Aufbautracht.

Um die Selbstheilung zu unterstützen, habe ich bei einem Volk die gesamte Brut ausgeschnitten. Zuvor hatte ich bei allen Völkern durch das stichprobenartige Öffnen von verdeckelten Brutzellen mit einer Entdecklungsgabel den Befall kontrolliert. Die Larven erscheinen verdreht mit dem vorderen Ende wie angehoben in der Zelle. Es kommt bei den Larven zu braunen Verfärbungen. In der Wabe bleiben einzelne verdeckelte Zellen stehen. Hier sollte eine genauere Kontrolle der Ursache auf den Grund gehen.

Die abgestorbene Larve liegt Schiffchenförmig, verderht in Zelle.

Bei allen Brutkrankheiten muss eine Diagnose soweit wie möglich erfolgen, um der Ausbreitung der Bösartigen (oder Amerikanischen) Faulbrut vorzubeugen. Die Sackbrut ist am Aussehen der Brut zu erkennen. Zieht man eine erkrankte Larve mit einer Spitz oder einer Pinzette aus der Wabe hängt Ihr Körper wie ein flüssigkeitsgefülltes Säcken nach unten. (Auf die Diagnostizierung anderer Brutkrankheiten und weiterer Merkmale möchte ich hier nicht weiter eingehen, da es hier sowieso nicht umfassend abgehandelt werden könnte. Auf jeden Fall sollten Interessierte im Internet oder Fachbüchern auch nach dem Streichholztest für Faulbrut suchen oder sich an einen Sachverständigen für Bienenkrankheiten wenden.)

Auch die Sackbrut erscheint häufig als Folgekrankheit der Varroa und ist in vielen Völkern latent vorhanden. Deshalb habe ich eine Varroa-Kontrolle an die anderen Maßnahmen angeschlossen. Der Befall war jedoch überraschend niedrig.


Links, zwo, drei, vier...

Deutlich mehr lästig als schädlich sind wohl die kleineren Ameisenarten, die eine Bearbeitung allerdings ziemlich unangenehm gestalten können. Häufig versteckten sie sich in ihrer Panik unter den Enden der Oberträger. Was zu angenehmen Überraschungen führt, wenn man nichtsahnend den Oberträger anheben will.

Bei Sonnenschein bringen die Ameisen die Kokons zum Aufwärmen zwischen Oberträger und Deckelisolierung. Der Beginn der Bearbeitung beginnt mit einem wehrhaften Gegner.


Am besten ist es die Reviere eindeutig abzustecken. Durch die die Aufhängung der Kästen, ist es relativ (eben nur relativ) einfach alle Übergangsstellen mit Wollfett (Lanolin aus der Apotheke) einzuschmieren.

Viele Zuckergäste versuchen etwas vom Sammelfleiß der Bienen zu erbeuten manche jagen auch gleich noch die heimkommenden Bienen. Hornissen sind bestimmt besonders edle Jäger, die selber schützenswert sind. Dieses Exemplar war ins Volk eingedrungen und lag (tot) auf dem Bodengitter, Im Spätsommer kann man häufig auch Hummeln oder Wespen beobachten, wie sie in die Völker eindringen.


Hornisse neben Biene auf Drahtgitterboden


 

Andere wie dieser Falter suchen nur Wärme und ein trockenes Plätzchen.

Falter (vielleicht ein Kiefernspanner?) an Dämmauflage

Und mancher ungewöhnliche und wenige bekannter Gast findet sich auch. Wer wird denn gleich Vorurteile wegen der schlechten Verwandtschaft haben?

Eine vollkommen harmlose weibliche Waldschabe.

Schabe auf Dämmplatte

 Die Weiselstopfen springen schon mal aus den Verschlusslöchern. Mit angespitzten oder zerschnittenen Korken kann man sich hier gut helfen.

Korken zwischen Zuchtstopfen

Wenn die Beute unbeabsichtigt offen ist, kann es auch mal den Versuch einer Hausbesetzung geben.

Wespennest an Oberträger

Schadensmeldung

Leider ist mein Ableger nicht über den Winter gekommen. Nachdem die Langzeitverdunstung der Ameisensäure nicht funktioniert hat, was in Schattenlagen (soweit ich gelesen habe) wohl wegen der zu geringen Temperaturen im inneren der Beute im Herbst öfters vorkommen kann, habe ich noch im Herbst eine Milchsäurebehandlung angeschlossen, da man an der geringen Verdunstungsmenge der Ameisensäure den Fehler schon absehen konnte.

Der leeren Kasten wird gereinigt und desinfiziert. Zur Reinigung wird der Kasten innen mit einem scharfen Stockmeisel ausgekratzt und anschließend mit einer offenen Flammer desinfiziert, bis sich die Farbe des Holzes erkennbar verändert.

 

Auskratzen einer Beute   Ausflammen mit eienm Gasbrenner

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