Hobbyimkern in der Oberträgerbeute

Hobbyimkern in der Oberträgerbeute

(TOP-BAR-HIVE)

 

 

 

 

 

Kenyan Top-Bar-Hive (KTBH oder Oberträgerbeute; Beute ist das imkerliche Fachwort für einen Bienenkasten-, korb oder jede andere Bienenwohnung, die vom Menschen hergestellt wurde.)

Dieser Bienenkasten ist relativ neu und wurde in dieser Form für die Entwicklungshilfe in Afrika entwickelt. Das zugrunde liegende System ist viel älter und geht auf den traditionellen Makedonischen Bienenkorb (Nordgriechenland) zurück. Die Wabenanordung und die Art der Aufstellung sind den ursprünglichen afrikanischen, liegenden Röhrenbeuten ähnlich. Die Vorteile liegen in der relativ einfachen Herstellung. Es gibt nur ein genau einzuhaltendes Maß, das die Breite der Oberträger beschreibt und den Abstand von Wabenmitte zu Wabenmitte parallel gebauter Waben angibt. Oberträger sind die oben lose aufgelegte Leisten. An einer mittigen Orientierung (Wachsstreifen oder Kante) ziehen die Bienen ihre Waben nach unten aus. Die Waben können mit dem Oberträgern frei angehoben, bewegt und entnommen werden. Weltweit gibt es gerade im Hobbybereich in Industrieländern einen Trend zu Top-Bar-Hives gerade zur Aufstellung im Hausgarten (im englischen findet man auch die Bezeichnung Backyard-hive - Hintergarten-Beute).  

Nach mehreren Jahren Hobby-Imkern mit Golzbeuten waren Beruf, Familie und Bienen nicht mehr unter einen Hut zu bekommen.
 
Um wenigstens ein "Aquarium-Volk" für mich zu haben, musste ich für mich folgende Probleme lösen:

  1. Zeitmangel: Ein Großteil der Arbeit enfällt auf Rähmchen- und Wachsarbeiten
  2. Platzmangel: Da ich keinen geheizten Werkraum habe, war unsere Garage nicht nur hoffnungslos mit Bienenzubehör und Wabenkisten vollgestopft, es fielen auch alle Rähmchenarbeiten etc. im Sommer an, wenn die Zeit sowieso knapp ist.
  3. Abhängigkeiten und Kosten: Zubehör für die Golzbeute gibt es nicht in jedem Imkerzubehörladen und die Geräte zum Selbstbau fehlen mir.
  4. Mittelwandproblematik: Auch mein Wunsch nach einem geschlossenen Wachskreislauf stellte mich vor neue Anschaffungen. Ein Versuch zum Selbstbau einer Gießform war nicht zufriedenstellend. Es werden keine Mittelwände weder im Brut- noch im Honigraum benötigt!
  5. Varroa-Kontrolle: Aus meinen Erfahrungen mit der Golzbeute wünschte ich mir eine Beute mit einem Drahtgitterboden zur Befallskontrolle ohne Störung für das Bienenvolk.
  6. Abneigung der Bienen gegen Rasenmäher. Durch die Aufstellung der Beuten auf Pflanzringen fühlten sich die Bienen durch das Rasenmähen belästigt. Und nach Sonnenuntergang möchte ich im Garten nicht mähen.
  7. Gute Tranportierbarkeit im Pkw bzw. Kombi. Durch die flache und kompakte Bauweise kann man die Kästen gut in einem Pkw oder Kombi Transportieren. Der umgekehrte Blechdeckel kann als Unterlage dienen.
  8. Wer keine ausbebauten Waben lagert, muss diese auch nicht vor Wachsmotten schützen.
  9. Durch die beweglichen Waben (Mobilbau) können fast alle Methoden und Eingriffe, wie in anderen Beutensystemen (insbesondere Lagerbeuten) vorgenommen werden. Ein Arbeiten in Schichten (Zargen) ist zwar nicht möglich, aber alle Waben lassen sich als Block über die Breite in einem bearbeiten, was deutlich den Aufwand reduziert. Schwarmzellen sind überall zu finden und Krankheiten können leicht erkannt werden. Die Methoden der Schwarmvermeidung und Königinnenzucht sind wie üblich möglich. Dies íst auch für Anfänger ein großer Vorteil, weil es so viel einfacher ist, von Erfahrungen bekannter Imker in der Nähe zurückzugreifen, die anderen Bienenkästen (Magazin, Lagerbeuten, Trogbeuten, Blätterstöcken...) imkern.

Auch wenn ich lange geziert habe, kam ich zur Überzeugung, dass eine Alternative das Imkern in der Top-Bar-Hive für mich sein könnte. Seit dem Sommer 2005 hing nun ein Volk bei uns im Garten. Und während der Bienensaison konnte ich mich täglich bei der Fluglochbeobachtung für ein paar lange Augenblicke entspannen. Mittlerweile sind wir umgezogen. Am neuen Wohnort ist die Bienenhaltung im Garten nicht möglich, da es sich um ein reines Wohngebiet handelt. Dafür habe ich wieder mehere Völker in der nahen Rhön stehen.

 
Vor lauter Beute und Freude an den vielfältigen Möglichkeiten in der Bienenhaltung sollte man das, warum es eigentlich geht, nie vergessen:

Meine Bienen sind Carnica (Krainer Biene - Apis mellifera carnica - äußerlich ist sie als "graue" Majestät erkennbar)

Diese Bienenrasse ist heute in Deutschland die verbreiteste Rasse und hat im letzten Jahrhundert die Dunkle Biene (Apis mellifera melifera) in Deutschland verdrängt. Durch die Verlagerung der Hauptblühzeit der wichtigsten Bienenweiden (Tracht) in das Frühjahr (Raps, Löwenzahn statt Heide) und ihre geringere Aggressivität gegenüber der alten Dunklen Honigbiene bei relativ guter Überwinterungsfähigkeit macht sie für unsere Bedingungen zur bevorzugten "Hausbiene".

 

und Pap(a)s Bienenkasten (gemalt von unser Lisa Maresa)

Wabe mit gezeichneter Königinn zwischen Bienen


Durch den hohen Verbreitungsgrad ist es für Imker möglich mit dieser Biene zu züchten, da es sich nicht um eine Rassenkreuzung handelt, soweit die Völker in einer Gegend zu einem hohen Anteil Carnica-Völker aufgestellt sind. Kreuzungen sind in ihren vererbten Eigenschaften nicht beständig, wenn sie sich frei paaren. (Imker sprechen von einer Standbegattung, wenn die Königin in einem nicht abgeschirmten Gebiet frei zu Paarungsflügen starten kann, die Auswahl der Drohnen (Bienenmännchen) kann hier nicht gelenkt werden. (Bei Kreuzungen von Carnica-Bienen mit anderen selteneren Bienenrassen kann es zu sehr stechlustigen Neuzüchtungen kommen.)

 

Fluglochbetrieb

 

 

(Anmerkung: die ideale Beute kann es nicht geben, da die Bedingungen stets unterschiedlich sind. Wenn ich wieder deutlich mehr Völker halten möchte, mehr Wandern möchte (hier haben Rähmchen große Vorteile durch die Stabilität, die sie vergleichbar einem Außenskelett der Wabe verleihen), Honig an Dritte verkaufen möchte, oder es einfache neue bessere Entwicklungen gibt... können sich die Bedingungen wieder wandeln. Meine Golzbeuten warten eingemottet auf diesen Tag.)

 

Erstellt August 2006

Stand: 12.12.2009

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